Landschaft Donau
der Vereinigung
Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte


Ehingen "Narrenzunft "Spritzenmuck" Ehingen e.V.
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Fridingen/Donau Narrenzunft Fridingen e.V.
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Mühlheim/Donau Narrenzunft e.V. Mühlheim/Donau
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Munderkingen Trommgesellenzunft Munderkingen e.V.
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Riedlingen Narrenzunft "Gole" 1865 e.V. Riedlingen
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Sigmaringen Narrenzunft "Vetter Guser" Sigmaringen e.V.
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Stetten a. k. M. "Bockzunft" Stetten a.k.M. e.V.
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Beschreibung der Landschaft
 
Alle weiteren Zünfte der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte unter http://www.fasnacht.net/

Landschaftsvertreter
Peter Schmidt
Gerhard-Hauptmann-weg 4
89597 Munderkingen
Tel: 07393/3407 (p) oder
07371/93280 (p)
Fax: 07371/13238
E-mail: Schmidt@Stb-Schmidt.de

Stellvertreter
Max Stöhr
Leopoldstraße 38
72488 Sigmaringen
Tel: 07571/12158 (p) oder
07571/102360
Fax 07571/102540

E-mail: Max.Stoehr@lrasig.de


Vordere Reihe (von links): Gebhard Neusch (Stetten a.k.M.), Lothar Huber (Ehingen), Peter Schmidt (Landschaftsvertreter), Rolf Eichelmann (Sigmaringen), Konrad Weiß (Munderkingen)
Hintere Reihe: Max Stöhr (stellv. Landschaftsvertreter), Rainer Kohli (Fridingen), Peter Bucher (Riedlingen), Rainer Langeneck (Mühlheim)

Beschreibung

Geografisch bildet die Donau den Übergang von der Schwäbischen Alb zu Oberschwaben. Die Fasnachtslandschaft Donau lehnt sich an kein historisches Herrschaftsgebilde an. Sie erstreckt sich, von der Baar kommend, von Mühlheim bis Ehingen und umfasst in ihrem romantischen Teil die Strecke des Donaudurchbruchs durch den Schwäbischen Jura. Die Fasnachtslandschaft Donau setzt sich aus folgenden 7 Narrenzünften zusammen:

Mühlheim

In dem hoch über dem rechten Donauufer gelegenen historischen Städtchen Mühlheim hat die Fasnet eine lange Tradition. Während die ersten urkundlichen Erwähnungen der Fasnet bereits älter als 500 Jahre alt sind, besteht die Fasnet in ihrer heutigen Form, insbesondere die aktuellen Mühlheimer Fasnetsfiguren, erst seit den 30er Jahren. Da der Ortsname Mühlheim von den vielen früher im Ort ansässigen Mühlen stammt, dreht sich auch bei den Mühlheimer Narrenfiguren viel um das Müllerhandwerk. Die Hauptfigur in Mühlheim ist der Narr, der von Fasnächtlern der Umgebung auch der "Müllemer Schellennarr" genannt wir. Er ist seinem Typ nach ein Weißnarr und stellt einen kräftigen Müllerburschen dar. Das aus Hose und Kittel bestehende Häs des Narr besteht aus grobem Sackleinwand, welches mit Fruchtbarkeitssymbolen der Landwirtschaft und Figuren aus Wilhelm Buschs Geschichten über Max und Moritz in der Mühle bemalt ist. Auf dem Kopf trägt der Narr ein Holzlarve, über welcher ein Mahlstein und darüber ein Mühltrichter symbolisch dargestellt werden. Das ganze wird durch eine Larvenhaube mit entsprechender Bemalung vervollständigt. Statt Metallglocken trägt der Narr Holzglocken, die ebenfalls wie Mühltrichter aussehen. Der Klang der Holzglocken gleicht dem monotonen Klappern einer Mühle. In einer Hand trägt der Narr ein weißes Gsprüersäckle, aus welchem Gsprüer als Symbol für Samenkörner (unsinnigerweise die leeren Hülsen) ausgeworfen wird. Die Gesamtheit des Narr stellt einen kompletten Mahlgang einer Mühle dar. Neben dem großen Narr gibt es auch noch den gleich aussehenden Kindernarr und die Müllerin. Letztgenannte ist mit Rock, Bluse und Kopftuch, ebenfalls aus bemaltem Sackleinwand, jedoch ohne Larve und Glocken, bekleidet. Eine weitere Narrenfigur ist das Kea-Weib. Das Kea-Weib stellt eine alte und abgearbeitete Frau dar und ist deshalb in keiner Art und Weise mit einer Hexe o.ä. zu vergleichen. Die Kea-Weiber sind mit Bluse, Rock und Schurz, in dezenten, alten Damen entsprechenden Farben bekleidet. Auf dem Gesicht trägt das Kea-Weib eine Holzlarve mit Kopftuch und Bäuschle, die eben die alte Frau darstellt. Auf dem Bäuschle wird der schwere Weidenkorb getragen, in welchem das Kea (Kienspan) getragen wird. Früher, als das Geld knapp war, holten junge Männer des Städtchens beim Förster die Erlaubnis, aus dem Kiefernholz das "Kea" machen und verkaufen zu dürfen. Das sehr stark harzhaltige und deshalb gut brennbare Kea wurde gespalten und zu kleinen "Büschele" zusammengebunden und als Lichtquelle oder Anzündmittel verkauft. Der so erzielte Erlös war eine willkommene Beisteuer zur Fasnet. Ein einzigartiger Rügebrauch ist der "Sagt er", der am Fasnachtsmontagmorgen an fünf Stellen der Oberstadt aufgeführt wird. Die mehr als 200 aktiven, und vor allem ausschließlich männlichen Teilnehmer tragen eine schwarze Zipfelmütze, ein langes weißes Hemd und eine schwarze Hose. Da sie wiederum einen Müllersburschen im Arbeitsgewand darstellen, ist ihr Gesicht eingemehlt. Sie folgen vom Gasthaus Sternen aus ihrem in Frack und Zylinder bekleideten Vorsänger an fünf Stellen im Ort. Dort stellen sie sich in einem großen Kreis um den Vorsänger auf. Dieser singt dann bis zu 20 in kurze Verse (8 Zeilen) gereimte besondere und vor allem lustige Begebenheiten aus dem Ortsgeschehen. Die jeweiligen "Anklagen" des Vorsängers bestätigen die Sagt-er Mannen dann mit einem Kopfnicken und dem Wort "Sagt-Er". Der Sagt-er ist Mühlheims ältester Brauch. Er wurde 1892 erstmals aufgeführt und stellt eine der Hauptaufgaben des Narrs, nämlich das Rügen, in einfacher aber perfekter Form dar. Ein ebenfalls einmaliges fasnächtliches Wecken vollführen die Dengler. Männer in bäuerlicher Arbeitskleidung sind in den frühen Morgenstunden des Fasnetmontag, dem Haupttag der Mühlheimer Fasnet, unterwegs und wecken die Mitbürger. Sie führen Dengelstöcke, Hämmer und Sensen mit sich. An verschiedenen, frei auswählbaren Orten der Stadt lassen sie sich auf den aus Holz bestehenden Dengelstöcken nieder und schärfen auf einem dort eingelassenen Metallteil ihre Sensen durch das Dengeln mit dem Hammer. Der hierbei entstehenden Ton ist in der Tat dazu geeignet, die Mitbürger aus dem Schlaf zu reißen und auf den Haupttag der Fasnet hinzudeuten. Neben den oben erwähnten Narrenfiguren, wird in Mühlheim jedoch auch noch sehr viel Wert auf die freie Kostümierung gelegt. Der Kreativität der Mühlheimer Narren ist hierbei keine Grenze gesetzt. Insbesondere die früher gepflegten wilden alten Weiber, auch alte Schachteln genannt, haben in den letzten Jahren wieder stark zugenommen.

Fridingen

In Fridingen haben sich alte Larven und Gewänder aus dem 19. Jahrhundert erhalten. Die älteste Larve stammt aus dem Jahre 1814 und das älteste Häs aus dem Jahre 1856. In Fridingen ist es üblich, auf dem Rücken jedes Narrenkleidles - der Larvenhaube, dem Kittel oder den Hosen - die Zahl des Jahres anzubringen, in dem das Kleid gemacht wurde. Die verkleidete Figur heißt in Fridingen -wie in Mühlheim- nur Narr. Alle Fridinger Narrenkleidler sind aus fester weißer Leinwand und mit runden, teilweise auch eckigen Stoffblätzle in gedeckten Farben besetzt. Dabei werden meist drei verschiedenfarbige Blätzle rosettenartig aufeinandergenäht. Die Larven, oft mit aufgemalten Schnurrbärten, zeigen kräftige Männergesichter. Vier Bräuche der Fridinger Fasnacht sind beachtlich: ein wiederbelebter Heischeumgang eines Bettelmannes mit seinem Weib, bei dem der Heischevers erkennen lässt, dass der Narr in früheren Zeiten als Abgesandter einer höheren Macht oder als Wiederkehrer nachzuprüfen hatte, wie gut oder schlecht die Lebenden gewirtschaftet haben. Narrensamensäen ist die neuere Bezeichnung für den alten Brauch des Pflugumzugs, der seinen Ursprung in alten agrikultischen Vorstellungen hat. Frei verkleidete Narren, das Gesicht nur mit einem Stück Vorhang verlarvt, beginnen am Fasnachtsmontag etwa um 4 Uhr mit dem Fasnetsuchen. Zum Fasnetsende wird eine lebensgroße Narrenpuppe auf einer Bahre durchs Städtle getragen und nach närrischem Zeremoniell in einem Misthaufen begraben.

Stetten a.k.M.

Zehn Kilometer nördlich der Donau auf der freien Hochebene des östlichen Heuberges, dem südlichen Teil der Schwäbischen Alb, liegt Stetten a.k.M.. Die Bockzunft Stetten a.k.M. e.V. ist ein Verein zur Pflege des fasnächtlichen Brauchtums, der 1950 gegründet wurde. Zentrale Figur der Stettener Fasnet und der Bockzunft ist der Bockstetter "Bock". Diese Maske zählt zu den Tiermasken und ist den Weißnarren zuzuordnen. Die Bockmaske ist aus Lindenholz geschnitzt und mit originalen Widderhörnern versehen aus chromgegerbtem Lammfell. Das Beinkleid ist eine Drillhose, die mit Szenen der Heuberglandschaft bemalt ist. Um den Hals trägt der Bock eine Glocke, mit der er seine Stimmung kundtun kann. Der Bock ist im übrigen auch im Wappen der ehemaligen Herren von Stetten zu finden. Unter den weißen Böcken ist auch ein schwarzer Bock anzutreffen. Dieser ist eine Einzelfigur und stellt die Leitmaske dar. Zur Bockherde gehört auch der unverlarvte Zunftschäfer dazu. Dieser trägt eine originale Heuberger Schäfertracht mit Schippe. Neben den Böcken der Bockzunft ist die große Gruppe der Marktfrauen zu nennen. Die Bockstetter Marktfrau ist unverlarvt und stellt mit ihrem Häs die Stettener Bürgerfrau dar. Ihr Kostüm ist der Tracht dieser Bürgersfrau - mit weißer Leinenbluse, schwarzem Samtmieder, darüber einem Tschopen, einem Mailänder-Schal und einem handbemalten grauen Leinenrock - nachempfunden. Die Marktfrau trägt einen geflochtenen Marktkorb mit sich, in dem sie Süßigkeiten, Fasnetsküchle und mancherlei andere Dinge hat, die sie unter den Narren verteilt. Die Marktfrauen backen an dem kalten Markt die traditionellen Fasnetsküchle in heißem Fett, die einen reißenden Absatz unter den Stettener Narren finden. Die Narreneltern heißen Johann Jakob Schäufele und Hudl-Ann. Die Hudl-Ann tritt ebenfalls unverlarvt auf. Mit ihrem strohgelben, handbemalten Leinenrock, einem dunklen Tschopen, einer blütenweißen Bluse mit schwarzem Mieder und einem gestickten Schal über der Schulter hat sie Ähnlichkeit mit den Marktfrauen. Auch sie hat einen geflochtenen Marktkorb mit allerlei Inhalt bei sich. Der Johann Jakob Schäufele stellt einen "Hallodri" dar, der einen bäuerliche Tracht trägt. Der Narrenbolizei ist eine Einzelfigur in der Stettener Fasnet, der in Soldatenmontur mit Pickelhaube, Knobelbecher, Säbel und Ortsbüttel-Schelle auftritt. Er sorgt für Ordnung während der Fasnet und verteilt schon ab und zu einen närrischen Strafzettel.

Sigmaringen

Am Südrand der Schwäbischen Alb umfasst die Donau mit einer Schleife die Stadt Sigmaringen. Der Hauptbrauch der Fasnacht ist das Bräuteln das hier im Gegensatz zu Haigerloch alle Jahre stattfindet. Hierbei werden die jungen Ehemänner, die im abgelaufenen Jahr geheiratet haben, die silbernen und goldenen Hochzeiter und die verheirateten Neuzugezogenen. Die Bräutlinge werden von den Bräutlingsgesellen auf einer gepolsterten Stange um den Marktbrunnen getragen, wobei sie an den Narrensamen und die Umstehenden Wecken, Brezeln, Würste, Orangen und Bonbons auswerfen. Dazu spielen die Bräutlingsgesellen mit Pfeifen und Trommeln als Bräutelmelodie "Freut euch des Lebens" Die Sigmaringer Narrenfigur ist die Fledermaus, die heute in drei verschiedenen Aufmachungen zu sehen ist. Die historische Verkleidungsart, die heute nochgetragen wird, ist einfach und billig: über einen leichten schwarzen Rock und eine Bluse wird ein großer wienerschal gelegt, der zusammen mit einem weißen Vorhang über den Schläfen zu zwei Ohren abgebunden wird und hinten bis über die Hüften fällt. An den Abgebundenen Ohren hängen meterlange verschiedenfarbige Seidenbänder. Das Gesicht verhüllen die schwarzen Fransen des Wienerschals oder eine einfache Stofflarve. Im Jahr 1965 entstand die Neue Fledermaus mit einem dunkelbraunen Velourskleid und einer hölzernen Fledermauskopf-Larve. 1968 entstand die Kleine Fledermaus. Im Jahr 2002 komplettiert dann der Schlossnarro die Familien der Sigmaringer Narrenfiguren.

Riedlingen

Die älteste Erwähnung einer Fasnet in Riedlingen stammt bereits aus dem Jahre 1505. Die nächste folgt aus dem Jahre 1745, als der Riedlinger Magistrat und eine Deputation der Bürgerschaft "masquieren" und "Spihl-Leute" verbieten wollten. Aus dem Jahre 1818 gibt es erste Belege für die Hauptfigur der Narrenzunft den "GOLE". Die Herkunft dieses Begriffes ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Möglicherweise stammt er von dem Begriff "Jole" oder "Joler, also "Schreier" ab. Er könnte aber auch im Bezug zum biblischen Riesen Goliath stehen. Die Narrenzunft "Gole" , wie sie sich in der heutigen Zeit präsentiert, wurde 1865 gegründet und zählt heute über 1300 Mitglieder. Ursprünglich war es einfach der Riedlinger Narrenverein, der sich 1929 der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte anschloss und kurze Zeit später die heutige Bezeichnung erhielt. Wie jeder Verein hat sich auch die Narrenzunft "Gole" stetig weiterentwickelt. So wurden immer wieder alte Bräuche "hervorgekramt" und zu den schon bestehenden Masken passende Ergänzungen und Erweiterungen gefunden, was beispielsweise die Entstehung der Gole-Familie eindrucksvoll dokumentiert. Nur mit dem weiblichen "Gole", der "Golia", scheint es nicht geklappt zu haben, denn aus irgendwelchen Gründen passte sie nicht in diese Männergesellschaft - eine Frau und drei starke Männer: so modern war man in den Fünfzigern noch nicht eingestellt, folglich verschwand die Golia wieder aus der Reihe der Traditionsmasken. Riedlingen ist die Stadt der "Mohrenwäscher". Als einst in Riedlingen ein Zirkus gastierte, war unter anderem auch ein Schwarzer, ein "Mohr" also, bei der Truppe. Die Einwohner der Stadt, die bislang nie einen Schwarzen gesehen hatten, waren der Meinung, dass es sich hier um einen Weißen handeln müsste, der sich nicht gewaschen habe. Sie schleppten ihn zum Brunnen am Marktplatz und versuchten den Mohr weiß zu schrubben. Es nütze nichts - er blieb schwarz. Seitdem heißen die Riedlinger "Mohrenwäscher" und als Symbol dafür wurde die Figur "Mohr" geschaffen.

Munderkingen

Munderkingen liegt knapp zwei Kilometer südlich der Strasse Ulm-Sigmaringen zwischen Riedlingen und Ehingen, von der Donau halbinselartig umflossen. Der Brunnensprung ist zweifellos das Kernstück der Munderkinger Fasnet, der erstmals 1742 urkundlich erwähnt wird, aber sehr wahrscheinlich wesentlich älter ist. Ursprünglich war der Brunnenspringer der jüngste Bürger der Stadt, d.h. wer zuletzt Hochzeit gehalten hatte. Heute erwählen durch Würfeln auf ihren Trommeln die Trommgesellen zwei Brunnenspringer. Vor dem Sprung tanzen beide auf dem Brunnengeschäl (Brunnenummauerung) einen Hopser und einen Schleifer, bringen zwei Trinksprüche aus, leeren ein Glas Punsch, zerschmettern das Glas an der Säule des alten Renaissancebrunnens und springen dann gleichzeitig dreimal hintereinander in das Wasser, das im närrischen Geist von den Maischern durch Umrühren vorgewärmt wird. Die Kommandos hierfür werden vom Obermaischer erteilt. Danach dürfen die beiden triefnassen Springer die umstehenden Mädchen umarmen und küssen. Zum Brunnensprung gehören unmittelbar der Tromm-Meister als Einzelfigur, die Trommgesellen und die Tromm-Maiden. Beim Brunnensprung anwesend ist der Hofstaat mit dem Fürsten, dem Grafen, dem Ritter und dem Herold. Eine Straßenfigur die nicht in Beziehung zum Brunnensprung steht, ist das Wusele. Das Wusele ist ein längliches Brötchen aus Weissmehl, etwas kleiner und auch von etwas anderer Form als ein gewöhnliches Weckle. Das Wusele stellt eine Art Notbrot dar, gebacken in Notzeiten einer Belagerung, wo es die üblichen größeren Wekken ersetzen musste. Anfang der 1950er Jahre war der Wunsch nach einem Laufnarrenkostüm aufgekommen. So schuf man die Figur des Wuseles. Nachdem jahrelang an einem geigneten Kostüm herumexperimentiert worden war, beteiligten sich im Jahr 1959 die ersten Wusele am Umzug. Wusele ist aber auch ein Ortsneckname für Munderkinger, einmal weil sie die Brötchen gerne essen, und zum anderen, weil sie wuselig, also flink sind. Während der Brunnensprung ein Spektakel ist, das Tausende von Ausserhalb anzieht, ist das Maschgera gau am Glompigen Donnschtig eine lang ersehnte Handlung, hauptsächlich für die Munderkinger. Ursprünglich waren es reine Frauengruppen, die an den Abenden des "Glompigen", des Fasnetssonntags und des Fasnetsmontags als alte Weiber oder alte Männer verkleidet durch die Wirtschaften zogen. Zwar dominieren noch immer die Frauengruppen, aber so mancher Mann hat sich mittlerweile darunter gemischt. Diese bunt maskierten Gruppen beschäftigen sich lange vorher schon mit dem Motto ihrer Darstellung und der Herstellung von kleinen Geschenken, sog. "Kromet"(urspr. Marktmitbringsel). Alle Frauen sind so maskiert, dass man sie mit Sicherheit nicht erkennen kann. Die mitwirkenden Männer sind aber immer unmaskiert. Die Mäschgerle treten meisst paarweise oder in kleinen Gruppen auf, bescherzen Passanten oder halten den ihnen bekannten Personen deren Missgeschicke und Fehltritte des vergangenen Jahres vor.

Ehingen

Knappe zehn Kilometer donauabwärts von Munderkingen liegt Ehingen. Von 1343 bis zum Übergang an Württemberg 1806 war die Stadt vorderösterreichisch, wurde also nicht reformiert und hatte daher auch keine Fasnachtsunterdrückung zu erleiden. Aus den Reihen der Ehinger Bürgerschaft konstituierte sich am 23. 11.1874 eine Narrengesellschaft mit einem geschäftsführenden Narren-Comite´. Daraus wurde später die Narrenzunft Spritzenmuck Kügeleshausen. Die heutigen Ehinger Fasnachtsgestalten gehen auf örtliche Sagen und Anekdoten zurück. Die Einzelfigur des Groggentälers, der als Sumpf- und Erdgeist vegetative Kräfte verkörpert, wird alljährlich zu Beginn der Fasnet aus dem Moor im Groggental geholt. Seine Begleiter sind die Gnomen oder Dämonen. Beweglich und eindrucksvoll sind die Wilden Weiber mit ihren eigenartigen Larven. Eine Maskengruppe für sich ist der Spritzenmuck und seine Muckenspritzer. Die Feuerwehrleute sind in die Fasnacht gekommen, weil sie einst einen Mückenschwarm am Liebfrauenkirchenturm für Rauschwaden hielten und danach spritzten. Ähnlich wie in Munderkingen die Wusele sind heute in Ehingen die Kügele beliebte kleine Semmeln, nach denen eine Maskenfigur entstand, die vorwiegend von Frauen und Mädchen mit nicht verlarvtem Gesicht dargestellt wird. Als Hersteller der Kügele empfiehlt sich, ganz in schwarz gekleidet der Pfannenma´te (Pannenmartin). Eine früher weitverbreitete Narrenfigur ist das Krettaweib. Seine Komik liegt darin, dass der männliche Darsteller in Weiberkleidern -als vorgetäuschte Frauensperson- die Attrappe eines kümmerlichen Männleins im Rückentragekorb (Kretta = Korb) spazieren trägt.