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Das Belagerungslied

Das Belagerungslied geht auf einen Text des Munderkinger Mundartlyrikers Carl Borromäus Weitzman zurück. Eigentlich handelt es sich um eine Satire der bissigsten Sorte. Es werden sogar Funktionsträger beschrieben, Bürger beim Namen genannt und regelrecht vorgeführt. Der Legende nach, haben sich einige Munderkinger für diesen und andere satirischen Texte revanchiert und den Dichter von der Donaubrücke geworfen.
Der Text hat übrigens auch andernorts Spuren hinterlassen. In der Villinger Fasnet wird das "Villinger Burgerlied" gesungen. Der 18-strophige Text ist eine auf die dortigen Gegebenheiten angepasste Variante von Weitzmanns Gedicht. Auch in Schiltach wird dieses "Burgerlied" in einer 16-strophigen Variante gesungen. In Wolfach wurde die Munderkinger Belagerung einem Fasnachtsspiel im Jahre 1866 aufgeführt. Aber auch in Munderkingen gab es 1892 ein Fasnachtsspiel über die Belagerung der Stadt.

Im folgenden der Originaltext von Carl Borromäus Weitzmann:

Auf, auf ihr Burger, stauhd ins Gwehr!
D'Franzosa rucket ei,
Se breachet scho wie's Muathes Heer
Beim Kuglaweth det rei.
Ihr Burger fasset Muth und List,
Sonst goht es hinterfür,
Verkloibet ´s Thoar mit Dreck und Mist,
Und theand da Rigel für!

Auf geht’s ihr Bürger, bewaffnet euch,
Die Franzosen rücken an.
Sie brechen schon wie Wotans (gemanischer Gott) Heer
Beim Kuglawerth herein (Flurnamen für das Ried gegen Rottenacker zu)
Ihr Bürger fasset Mut und seid listig
Sonst geht das Ganze daneben,
Verklebet das Tor mit Dreck und Mist
Und macht den Riegel zu!

Der Burgermoister muß vora,
Potz Steramordio!
Er hot en geala Kittel a
Und Fransa am Schappo;
Und hinter deam wohlweise Roth
Der Dianer von der Stadt,
Weil ear da g'weihta Säbel hot
Vom graußa Goliath.

Der Bürgermeister muss vorne dabei sein
Ausruf des Erstaunens
Er hat einen gelben Kittel an
Und Fransen am Hut.
Und hinter dem sehr weisen (gescheiten) Stadtrat
Der Diener der Stadt,
Weil er den geweihten Säbel hat
Vom großen Goliath ( Riese Goliath).

Was d'Weiber sind, dia sitzet jetzt
Uf d'Rothaus-Miste na,
Statt ihrem G'schoi ond Lumpag'schwätz
Beat jeda für da Ma.
Und fällt a Bombakugel gau
Uf eiser Städtle ra,
So schreiet nur reacht Fuiriau,
Und bronzet drüber na.

Alle Weiber der Stadt sitzen jetzt
Auf die Rathausmiste hin
Statt zu schreien und Blödes zu reden,
Soll jeda für den Mann beten.
Und fällt eine Bombenkugel grad
Auf unser Städtchen herunter
So rufet alle „es brennt“
Und "bislet" darüber hinunter. 

Der Schopfbeck und der Dauderlau
Und ´s Doigelbecka Franz
Stauhd mit em alta Fuiriau
Scho dussa uf der Schanz.
Se wehret se mit Händ und Füaß,
Und au der Stricker Leaz,
Dear hot von hundert Schua en Spiaß
Und ´s Nudelbritt am Heaz.

Schopfbeck ( Bäcker) und der Dauderlau ( Bürger)
Und Doigalbecka ( Bäcker) Franz
Stehen mit der alten Kanone
Schon draußen auf der Mauer ( Schanze)
Sie wehren sich mit Händen und Füßen
Und auch der Lenz (Lorenz)Stricker
Der hat einen Spieß, hundert Schuh lang (Längenmaß)
Und ein Nudelbrett am Herz ( als Schild)

Der Hendschadätte und der Brack
Und d' Lumpanais und d' Schneck,
Dia füllet scho da Huzlasack
An Poataläri's Eck.
Us Hecklaberis Annamarei
Und ´s Haldakoata Gret,
Dia kochet scho da schwaza Brei
Für d' Generalität.

Der Hendschadätte und der Brack ( Bürger)
Und die Lumpenagnes( Lumpensammlerin)und die Schnecke,
Füllen schon den Hutzlasack ( getrocknete Birnen)
Am Eck, wo die Familie Poatalär wohnt.
Die Annemarie von Hecklaberis( Tiber Heckle)
Und die Gretel von Haldakoata(Konrad von der Halde)
die kochen schon den schwarzen Brei ( schwarzes Mus)
Für die Generäle.

Der Schloiz, der Bögler und der Rast
Sind kuglafest äll drei,
Unds Heklaberi's Arbogast 
Ist Kaparal darbei.
Däs ist a Ma, so geihts it viel,
Der ist bigott so keack,
Der reißt em Tuifel, wemma's will,
Da Zopf und d' Hora weack.

Der Schloiz. Der Bögler und der Rast ( Bürger)
Sind alle drei kugelfest
Und der Arbogast von Hecklaberis(Tiber Heckle)
Ist Korporal ( Dienstgrad) dabei
Das ist ein Mann, so gibt es nicht viele
Der ist unwahrscheinlich kühn
Er reißt dem Teufel wenn man es will
Den Zopf und die Hörner weg.
Dia Grenadierer kommet äll
Vom Korpus Christi Fest,
Se traget Kittel rauth ond geal
Und Büchsa und Pallest.
As Hairle schlät sie au derzua,
Er reit sei Räpple fei,
Und uf dr alta Spittel-Kuah
Sei Hausre hinda drei

Alle Grenadiere kommen
Vom Korpus Christi Fest (Fronleichnamsfest)
Sie tragen Kittel rot und gelb
Und Gewehre und Krummschwerter
Der Pfarrer kommt auch dazu
Er reitet seinen Rappen fein
Und auf der alten Kuh aus dem Spital
Seine Haushälterin hinterher.

Ma pfeift, ma trommelt scho darzua,
Dot schwenkt der Wusel-Beck
Da Fahna, und as Bandtlis Bua
Macht Kugla us am Dreck.
Der Matter us em Darraloch
Hot gar zwoi Deaga a,
Und's Hänsee vorem Ofaloch
Der geiget em vora. 

Man pfeift, man trommelt schon dazu
Dort schwenkt der Wuseles Beck ( Bäcker)
Die Fahne und der Bub von Bandtlis
Macht Kugeln aus dem Dreck.
Der Natter ( Bürger) aus dem Darraloch (Weitzmannstraße)
Der hat sogar zwei Degen an
Und das Hänschen vor dem Ofenloch
Der geige ihm voran.
Jez allo, hurtig d' Spritza raus!
A siadigs Wasser nei,
No spritzet nu reacht Huzla naus,
No traut si Koiner rei.
Ihr liabe Burger! ´s hot koi Nauth,
Bald hoißts Viktoria!
Mir weand dia Koga, sind se taud
Noch aist no täuder schla.

Jetzt los. Schnell die Spritze heraus
Und sehr heißes Wasser hinein
Dann spritzt nur richtig Hutzla (getrocknete Birnen) raus
Dann traut sich keiner in die Stadt hinein.
Ihr lieben Bürger, es hat keine Not
Bald heißt es Sieg.
Wir werden die Lumpen, wenn sie tot sind
Dann erst noch toter schlagen.

A jeder Burger neahm sei Büchs,
Und lad drui Aescha nei,
A Hänvoll Kloßa** druf, sost nix
No sind d'Franzosa sei.
Und hot a jeder statt der Muck
An Lukaszeadel dra,
Am Schapper ´s Amulett, no druck
A jeder, was er ka.

Ein jeder Bürger nimmt sein Gewehr (Vorderlader)
Und lade drei Erbsen hinein
Eine Handvoll Pulver darauf, sonst nichts
Dann sind die Franzosen sein. Er besiegt sie
Und hat ein jeder statt des Gewehres
Einen Lukaszettel dran(Zettel mit Versen aus Lukasevangelium).
Am Schnapphahn(Abzug) das Amulett(Heiliger), dann drück
Ein jeder, was er kann.

Jetzt watet nu, i komm gau glei,
Trink nu mei Stümple aus,
Der Bua von Nisi's Annamarei,
Trait scho mei Büchs voraus.
Der ist a Büchs wia ´s Koiner moit,
Dui klöpft as wia a Bomm,
Voar deaner Büchs do fällt dr Feind
Mit samt em Schütza om.

Jetzt wartet nur, ich komme gleich.
Trinke nur meinen Rest aus
Der Bub von der Annemarie (Ehefrau von Dionysius)
Trägt schon mein Gewehr voraus.
Das ist ein Gewehr, wie es keiner glaubt
Das klopft gerade so wie eine Bombe
Vor diesem Gewehr fällt der Feind
Mitsamt des Schützen um.

Du lieber Gott! Jez gib mer Gnad,
Jez goht der Rumpel a.
O Uschl! Gib mer d' Aeschalad,
Und richt mehr d' Klotza na.
Guck Uschel! guck, do stoht er grad,
Biff, baff, dia Zeit ist aus!
Der Donner schla in d'Aeschalad,
Dear Kearle lacht mi aus!

Du lieber Gott, jetzt gib mir die Gnad
Jetzt beginnt der Kampf
O Ursula, gib mir das Erbsengefäß
Und richte mir den Wergabfall hin ( Werg- Dichtmaterial)
Schau Ursula, schau dort steht er gerade
Biff, baff die Zeit ist abgelaufen.
Der Donner schlägt in das Erbsengefäß
Der Kerl lacht mich aus.

Komm, Uschel! Komm, mer weand jez hoi,
Mei Schiaßerei hoißt nix,
Du hollst zwoi nuie Flintastoi
Und i mei Doppelbüchs.
Des ist a Büchs, so geits koi Büchs,
Schiar d'Aeschalad goht nei,
As fehlt er nur der Hah, sost nix,
No seand d' Franzosa mei.
Komm Ursula, komm wir gehen jetzt heim
Meine Schießerei ist nichts
Hol mir zwei neue Flintensteine (Feuersteine)
Und ich mein Doppelgewehr
Das ist ein Gewehr, so gibt’s nicht gleich ein Gewehr
Beinahe das ganze Erbsengefäß geht hinein.
Es fehlt ihm nur der Schnapphahn(Abzug), sonst nichts.
Dann gehören mir die Franzosen.
Hoch