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Fasnachtsverbote

Historische Fasnetsverbote - Reglementierungen - Ratsprotokolle

Leider ist ein großer Teil der alten Akten der Stadt Munderkingen - vor allem Rats- und Gerichtsprotokolle - nicht mehr vorhanden. Nachweise über die Fasnet in früheren Zeiten sind deshalb sehr spärlich. Aber diverse Verbote und Reglementierungen zeigen, dass es ich bei der Fasnet um einen Brauch von Bedeutung gehandelt haben muss.

Aus dem Ratsprotokoll vom 20. Februar 1795 finden wir in einem Absatz den Hinweis auf die Trommelgesellen:

"Der ledige Bürgersohn Andreas Zangerle hat eingestandenermaßen am letzten Aschermittwoch in öffentlichem Wirtshaus in Gegenwart vieler Leute, darunter den sogenannten Trommelgesellen Unanständiges ausgebracht....".

Im 19.Jahrhundert findet man in den Akten des Stadtarchivs Munderkingen fast ständig Hinweise auf das Fasnetsgeschehen. So steht im ersten "Ausschell-Buch" unter dem 27. Februar 1821 zu lesen:

"In Bezug auf die Faßnacht Munderkingen verordnet das Königliche Oberamt, dass
1. vor nachmittags 2.00 Uhr keine Masken auf der Gasse herumlaufen dürfen,
2. dass kein Lärm, Geschrei und sonstige Ausgelassenheit, noch viel weniger Beleidigungen oder Verletzung der guten Sitten statthaben sollen
3. dass des Nachts keine Masken ohne Laterne herumlaufen dürfen
4. dass das Knallen mit Peitschen in der Stadt verboten sei.

Die Übertreter dieser Gebote werden durch die aufzustellenden Polizeiwächter sofort arretiert."

Noch ausführlicher ist eine Bekanntmachung vom 12. Februar 1825:

"Während der noch andauernden Fasnachtszeit wird folgendes zur allgemeinen Beachtung bekanntgemacht:
1. In allen denjenigen Wirtshäusern, in welchen keine Tanzmusik gehalten wird, hat es bei der gewöhnlichen Polizeistunde sein Verbleiben. In Wirtshäusern aber, wo Musik ist, erwartet man, dass selbe am Sonntag Nacht zwischen 12 und 2 Uhr, am Montag desgleichen, am Dienstag aber bestimmt um 12.00 Uhr Nachts beendet sei.
2. Den sogenannten Trommgesellen allein ist nach alter Sitte am Montag eine freie Nacht gestattet; jedoch sind dieselben für jeden Polizeiexzess eines Dritten in ihrem Wirtshause und ihrer Gesellschaft persönlich verantwortlich gemacht.
3. Die Wirte insbesondere werden angewiesen, soviel in ihren Kräften steht, auf gute Ordnung zu achten, und wiederholt erinnert, ohne vorherige Anzeige und erhaltene Erlaubnis keine Tanzmusik zu halten.
4. Die sogenannten Lichtkerzen in Privathäusern mit Tanzbelustigung sind durchaus verboten; auch werden derlei Zusammenkünfte ohne Musik nur bis 10.00 Uhr geduldet, worauf insbesondere die Hausväter aufmerksam gemacht werden.
5. Das Maskengehen oder sich Vermummen ist an allen 3 Tagen erlaubt, jedoch a) wird jede des Nachts auf der Straße ohne Laterne angetroffene Maske arretiert;
b) ist Masken bei Strafe jeder Zutritt des Nachts in Privathäusern untersagt und dürfen dieselben bloß in Wirtshäusern und bei öffentlicher Tanzbelustigung, jedoch ohne Störung der Gäste auftreten;
c) ist jede unanständige Maske verboten und betrifft dieser Punkt insbesondere derlei Masken, die gegen die öffentliche Sitte anstoßen;
d) den Kindern ist das Maskengehen bei Nacht gänzlich untersagt, wofür die Etern verantwortlich sind.
6. Ist den Kindern unter 14 Jahren das Besuchen der öffentlichen Tanzbelustigungsorte nicht nur für diese Fasnachtszeit sondern für immer, sowohl bei Tag als auch bei Nacht, ohne alle Ausnahme verboten. Es werden nicht nur die dagegen handelnden Kinder mit eine Buße belegt, die Letztere hierwegen aufmerksam gemacht, sondern ihre Eltern fallen für jeden einzelnen Fall insbesondere noch in eine empfindliche Geldstrafe."

Doch nicht nur die Verbote, auch die Erlaubnisse reglementierten die Munderkinger Fasnet. In einem Ratsbeschluss vom 19.2.1835 heisst es:
"Johann Georg Ertle, ledig, Balthas Edel und Johann Georg Braig halten heute Vorstand und stellen das Gesuch, ihnen nach alter Sitte und Herkunft das Aufführen der sogen. Stadttrommel während der Faßnacht gestatten zu wollen.

Beschluss: Denselben zu erwidern, dass dieserorts durchaus kein Hindernis im Wege stehe und man von ihnen erwarte, dass sie sich während dieser Zeit in gebührender Ruhe und Ordnung betragen werden."

Hoch